Die Domführung
typische Kirchenatmosphäre, Geflüster, Hall etc.;
Mitwirkende:
- Intellektueller Domführer = Df
- gelangweilter Jugendlicher = J
- Rentnerehepaar = Rm, Rf (Rentnermann/ Rentnerfrau)
- heimlicher Mithörer = hM
- überinteressierter Mann = M
- Frau = F
Df beginnt mit gedämpfter Stimme
Df: Kommen Sie doch bitte etwas heran. Die Akustik ist hier zwar sehr gut
aber wir wollen doch nicht den Gottesdienst stören.“
Rm: Könnten Sie bitte etwas lauter reden. Sie sind hier hinten nur sehr
schwer verständlich.
Rf: Hans ! ( empört)
Df: Selbstverständlich. Am besten Sie kommen einfach ein wenig zu mir heran -
der Gottesdienst verstehen Sie. (lauter)
Rm: Jetzt schreit er auf einmal.
Df: So ist gut - wir befinden uns hier im Seitenschiff des Doms, der mit seinen
gewaltigen Ausmaßen zu den größten im nordwesteuropäischen Flachland an
einer Biegung auf einem Granit - Sandsteingemisch erodierten schiefliegenden
Tafelblatt stehenden Kathedralen zählt. Die Säulen...
M: Wie groß sind denn so die Ausmaße?
Df: Dazu wollte ich gerade kommen.
M: Entschuldigung.
Df: Aber ich bitte Sie, das ist doch nicht so schlimm. Die Säulen bestehen aus
feinsten Marmor sind innen und außen jedoch aus einem Asphalt - Kieselbelag
geformt beziehungsweise gearbeitet. Sie sehen auch im vierzehnten Jahrhundert
mußte man sein Geld zusammenhalten - haha. (keiner lacht mit)- Äh bitte nicht
anfassen junger Mann. (J tut unschuldig).
F: Ach das ist ja interessant.
Df: Nicht wahr - also der Dom ist schon was ganz tolles. Hinter mir befindet
sich der Altar der heiligen jungen drei Frauen, der ebenfalls aus dem...
J: Sie meinen wohl eher `der heiligen drei Jungfrauen´.
Df: Werd nicht frech - vierzehntes Jahrhundert wie gesagt. Leider später
völlig abgebrannt und dann wieder rekonstruiert. F: Ach das ist ja interessant.
M: Was ist den nun mit den Ausmaßen?
Df: Einen Moment bitte - es handelt sich um eine Arbeit des Spätfranzosen De La
Lou...
Rm: Und das in einer deutschen Kirche.
Rf: Hans!
Df: ...der unter anderem auch die kostbaren Holzdielen gestaltet hat. Wie Sie
sicherlich schon bemerkt haben alles verbrannt. Die Figur gewinnt seinen
Ausdruck durch die anmutige Verknüpfung von Nachdenklichkeit, wilder
Entschlossenheit aber doch auch resignierter Zurückhaltung und Freude am
Ballspiel.
M: Ein bißchen wie im Petersdom nicht?
Df: Ja - aber ganz anders.
J: Ich glaub sowieso nicht an den Scheiß.
Df: Schön - kommen wir nun zu einem weiteren Kleinod in...
F: Ach das ist ja interessant. Df: ...in unserem Gotteshaus, die Deckenmalerei
mit ihrer herrlichen Kuppel. Beachten Sie bitte den geschwungenen Pinselstrich
am rechten Ohr des Gekreuzigten am Kreuz, des... wie heißt er noch gleich...
Rm: Wo soll denn da ein Kreuz sein?
Rf: Hans! M: Jesus Christus?
Df: Ach ja, vielen Dank - sie verfügen über eine erstaunliche Allgemeinbildung
das muß ich schon sagen.
M: Aber nein. (geschmeichelt)
Df: Doch, doch, doch, doch. Nun ich fahre fort. In der Kuppel hängt also der
Jesus mit dem geschwungenen Ohr.
Rm: Um Gottes willen wann ist das denn passiert?
Rf: Hans!
Df: Bitte? Sie meinen die Kreuzigung...also das ist ...tja...da müßt ich jetzt
nachschauen. Ist Ihnen das so wichtig?
Rm: Eigentlich nicht.
Rf: Hans!
Df: Na sehen Sie. Betrachten wir nun...Junge ich hab gesagt du sollst das nicht
anfassen...betrachten wir nun...
F: Ach das ist ja interessant.
Df: ...betrachten wir nun die Holzdielen - ach nein die hatten wir bereits. Dann
betrachten wir den Raum. Fällt Ihnen da vielleicht etwas auf? Wenn nicht ist es
auch nicht so schlimm. Schließlich braucht man dazu ein geschultes Auge.
Rm: Führer
Df: Was - bitte?
Rm: Da hört einer mit, der hier gar nicht dazu gehört. Ich meine ich
bezweifle, daß er die Domführungspauschale und die Zusatzversicherung
abgeschlossen hat.
hM: Ich habe keineswegs mitgehört. Das mit der Kuppel wußt ich außerdem schon
lange.
Rf: Hans!
Df: Aber ich bitte Sie das ist doch nicht so schlimm.
M: Da bin ich allerdings anderer Meinung.
Df: Na gut dann fordere ich sie hiermit auf den Zuhörerbereich zu verlassen.
M: Eine Frechheit ...
Df: Sie doch nicht ich meine den Herren der mitgehört hat.
hM: Wie soll ich denn bei der Akustik den Zuhörerbereich verlassen?
Df: Tun Sie es einfach.
hM: Lächerlich. (entfernt sich)
M: Dem haben Sie es aber gegeben.
Df: Das ist doch nichts manchmal stehen hier dreißig, vierzig Leute.
Rm: Ohne Pauschale und Zusatzversicherung?
Rf: Hans!
Df: Äh...zurück zum Thema - fällt Ihnen irgendwas auf? Ich gebe noch einen
kleinen Hinweis: es ist grün und aus Stoff ...na ...hat keiner eine Idee? Also
gut es ist der Mantel der alten Frau dort in der letzten Reihe. Ist der nicht
gräßlich haha...(keiner lacht mit). Äh tja ...wenn es keine Fragen mehr
gibt...
M: Was ist denn mit den Ausmaßen...
Rm: ...und der Pauschale
Rf: Hans!
Df: ...komme ich nun zum Ende unserer kleinen Führung..
F: Ach das ist ja interessant.
Df: ... ja ... und möchte Sie zum Abschluß darauf hinweisen, daß es sich kaum
lohnt auch noch die alten Schinken von Dürer oder die obszöne Madonna von
Michelangelo zu besichtigen. Vielen Dank. Beifall
© Bernd